Samuel Niederhauser • Violoncello
Laurent Gendre • Leitung
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Anton Kraft (1749-1820)
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2, C-Dur, op. 4
Anton Kraft wurde in der Nähe von Pilsen geboren, studierte an der Prager Universität und galt als bester Cellist seiner Zeit. Er war Kammermusikpartner von Mozart, mit Beethoven befreundet und nahm bei Joseph Haydn Unterricht. Haydn schrieb für Kraft sein zweites Cellokonzert in D-Dur. Kraft wirkte in Uraufführungen von Beethovens Streichquartetten mit und spielte den Solopart in dessen Tripelkonzert bei der Erstaufführung.
Das C-Dur-Konzert op. 4 von Kraft wurde wahrscheinlich 1804 veröffentlicht. Es ist nach dem Schema der klassischen Konzertform komponiert, weist aber eine überaus anspruchsvolle, virtuose Solopartie auf: Doppelgriffe, schnelle Läufe über mehrere Oktaven, Arpeggien, gros se Sprünge, Springbogen, hohe Lagen.
Im ersten Satz wechseln sich Partien mit vollem Orchesterklang mit virtuosen, aber auch melodiösen, liedhaften Einfügungen des Cellos ab. Auffallend ist die recht umfangreiche, kunstvolle Durchführung, die nach einer delikaten Ton-Modulation einsetzt. Der zweite Satz steht in der Tonart E-Dur und weist eine A-B-A-Form auf. Im abschliessenden Rondo mit seinem ruhigen, volkstümlichen Thema spielt der Solist sein ganzes technisches Können aus. Einem mit «minore» (Moll) überschriebenen Teil (der aber meistens nach Dur klingt) schliesst sich eine Kadenz an, die in den Schlussteil überleitet, in dem das Hauptthema im 6/8-Takt zum tänzerischen Abschluss findet. Der Satzbezeichnung «Rondo Cosacca» ist wohl der damaligen Gepflogenheit zuzuschreiben, Angaben z.B. mit «alla turca», «alla polacca» oder «alla tedesca» etc. zu versehen.
Gioachino Rossini (1792-1868)
«Une larme», Thema und Variationen für Violoncello und Streichorchester
Der grosse Opernkomponist Gioachino Rossini zog sich nach der erfolgreichen Aufführung seiner letzten Oper „Wilhelm Tell“ (1829) auf dem Höhepunkt seiner Karriere aus dem öffentlichen Musikleben zurück. Das heisst nicht, dass er nicht mehr komponierte. Es entstand eine grosse Anzahl geistreicher und launiger Klavierkompositionen und Kammermusikstücken, die Rossini in seiner Sammlung „Péchés de vieillesse“ (Alterssünden) vereinte.
Aus dieser Sammlung stammen auch die Variationen „Une larme“. Das Werk weist eine recht ungewöhnliche formale Struktur auf: Es beginnt mit einer langsamen wehmütigen Einleitung des Orchesters. Das Cello tritt, diskret von den Streichern begleitet, mit ausdrucksvollen, pathetischen Kantilenen hinzu. Ein bewegter Abschnitt mündet in das Thema mit einer Reihe von virtuosen Variationen unterschiedlichen Charakters, die nahtlos ineinander übergehen. Blitzt da nicht im Versteckten der Opernmeister Rossini auf?
Joseph Haydn (1732-1809)
Sinfonie Nr. 94, G-Dur „Mit dem Paukenschlag – The Surprise“
Die zwölf letzten, in seinem Londoner-Aufenthalt komponierten Sinfonien stellen den Abschluss von Haydns sinfonischem Schaffen dar. Sie gelten als herausragende Werke dieser Zeit. Jede ist vollkommen, ein vollendetes Meisterwerk. Die Grundlagen der klassischen Sinfonie sind in diesen zwölf Sinfonien in klarster, konzentrierter Gestalt ausgeformt.
Die vierte Sinfonie dieser Reihe erlangte besondere Berühmtheit wegen des markanten Fortissimo-Schlags des gesamten Orchesters im 16.Takt des zweiten Satzes, der dem Werk im Englischen und Französischen den Beinamen „Surprise“, im Deutschen „Mit dem Paukenschlag“ bescherte. In den vier folgenden Variationen tritt dieser Schlag nicht mehr auf. Auf die Frage, ob Haydn den Schlag komponiert habe, um die eingeschlafenen Engländerinnen und Engländer zu wecken, antwortete er, es sei ihm daran gelegen, das Publikum durch etwas Neues zu überraschen.
Dem Kopfsatz ist eine langsame, dunkel ausdrucksvolle, langsame Einleitung vorangestellt. Der folgende Hauptteil beginnt zart und leicht, nimmt aber sehr bald kräftigere, vitale Züge an. Ein zweites, lustiges und eingängiges Thema spielt für die sinfonische Entwicklung kaum eine Rolle. Die konfliktgeladene, knappe Durchführung stützt sich vor allem auf Elemente des Hauptthemas.
Beherzt, fröhlich ist die Stimmung im Menuett. Reizvoll ist die ständige Überbetonung des dritten Viertels. Das Finale zieht tänzerisch beschwingt dahin. Pikant sind die unerwarteten Pausen vor Eintritt des zweiten Themas. Kurz vor Schluss setzt die Pauke einen überraschenden, dröhnenden Akzent, bestätigt quasi ein zweites Mal den Namen der Sinfonie, bevor der Satz in einer effektvollen Steigerung seinem Abschluss zu wirbelt.
Text: Res Waber